Boom nach Wende in SüdamerikaIn Südamerika begann der Sauvignon-Boom mit einem Missverständnis. Anfang der 1990er Jahre stellten Rebspezialisten fest, dass in Chiles Weinfeldern nicht die echte Sorte stand, sondern die minderwertige, nicht verwandte Sauvignonrasse, die man auch Sauvignon Vert nennt. Obendrein wuchs sie auf den Talsohlen der warmen Lagen des Zentraltals. Dort setzte man auch die ersten Reben des wahren Sauvignons, so dass er zum Standardprogramm jedes größeren Weinbetriebs wurde. Oft gefällt er dort mit einer Nase von reifen gelben Früchten, viel Körper und wenig Säure. Das mag angenehm sein, hat aber mit dem gesuchten Sauvignon-Profil wenig zu tun.
Miguel Torres, heute einer der bedeutendsten spanischen Weinerzeuger inspirierte mit seiner Euphorie für Chile als das „Paradies des Weinbaus“ eine neue Generation von Weinmachern. Bereits Ende der 70er Jahre hatte sein Vater ein kleines Weingut im chilenischen Curicó gekauft. In diesem Tal trafen wir auch Jorge Galán. Wir beziehen seinen Sauvignon Blanc direkt, ohne Zwischenhändler. Unterdessen nahm er Anlauf zum Höhenflug. Zum Valle Central zählen ebenso die Täler Maipo, Rapel und Maule. Zwei der vielversprechendsten jungen Winemaker Chiles arbeiten für De Martino im Maipu Tal. Es sind Marcelo Retamal (Chief Winemaker) und Felipe Müller. Kintu-Weine aus dem Maule Valley sind bekannt dafür, die erdzeitliche Entstehungsgeschichte Chiles auf den Punkt zu bringen.
Die Wende trat mit der Entwicklung des Casablanca-Tals, südöstlich von Valparaiso, ab 1982 ein. Es war das erste kühle, durch die Nähe des Pazifik temperierte Anbaugebiet Chiles, wo Sauvignon auf sandigen Granitverwitterungs- und Schwemmböden natürliche Frische mit Aromen von Zitrusfrüchten, grünem Apfel, Melonen und grünen Kräutern zeigt. Montes produziert einen Sauvignon Blanc aus Trauben, die im Casablanca Tal aufwuchsen. Er besitzt eine betörende Nase. Ohne Eiche vinifiziert ihn Veramonte, ebenfalls mit ausgezeichnetem Ergebnis. Dies gab den Anstoß, nach weiteren Cool-Climate-Bereichen Ausschau zu halten. Im Hinterland der Hafenstadt San Antonio im Leyda-Tal fanden sich noch kühlere, hervorragend für Weißweine geeignete Bedingungen. Hier bringt der Sauvignon ähnliche Aromen hervor, doch einen Tick intensiver, knackiger, grüner, untermalt von einer deutlicheren Mineralität. Mit Amayna und Leyda haben wir zwei mit zahlreichen Auszeichnungen hoch dekorierte Vertreter dieses Stils im Sortiment.
Nicht weniger spektakuläre Ergebnisse liefert das Limarí-Tal im Norden des Landes, das ebenfalls von den Morgennebeln des Pazifiks profitiert. Dabei gewinnt der Sauvignon eine reifere exotischere Frucht in der Nase mit grasigen Akzenten, zugleich aber eine gute Fülle am Gaumen, die von einer lebhaften Säure ausgewogen wird. Als Pionier des Limarí Tals wird die Viña Tabali unweigerlich mit diesem „Valle“ in Verbindung gebracht. Sie zählt zu Chiles renommiertesten Weingütern. Beim Nachbarn Argentinien hat man erst vor kurzem begonnen, sich für Sauvignon zu interessieren. Auf Höhenlagen erreicht er dort eine gute Sortentypizität mit Aromen von Gras, Grapefruit, Maracuja und bisweilen einer leichten Honignote. Zurück an der Spitze argentinischer Weinproduzenten ist die Escorihuela Gascón aus Mendoza. Wir führen ihre beiden Linien Sol Amante und Circus, darunter einen bemerkenswerten Sauvignon Blanc. Für die ausgezeichnete Qualität von Chakana ist Alberto Antonini verantwortlich. Auf den schweren Böden der Region Lujan de Cuyo produziert er Trauben nach Regeln des Öko-Landbaus.